East Asia Web

Dipl.-Ing. Sven A. Korf


Regionale Strategien

Gute Strategien machen Visionen zur Wirklichkeit . So weit die Theorie. In der Unternehmenspraxis hingegen wird der Strategie-Begriff leider sehr inflationär gebraucht. Wirkliche Strategien sind immer langfristig angelegt und tragen selten zur Verbesserung der nächsten Quartalszahlen bei. Der Grundstein für nachhaltigen Erfolg in Asien wird mit einer Strategie gelegt, die in ein bestehendes Firmenkonzept integriert ist und auch nach fünf oder mehr Jahren noch Gültigkeit besitzt. Sie muss auf interne wie externe Themen eingehen und über dem Tagesgeschäft stehen. Und sie muss von möglichst allen Mitarbeitern des Unternehmens mit getragen werden.

"Wer in Asien geschäftlichen Erfolg haben will, der braucht Geduld und Standhaftigkeit." Diese häufig verwendete Aussage unterstreicht die Bedeutung des Vorhandenseins einer validen Unternehmensstrategie. Es kann aber auch schnell gehen. Vorausgesetzt man tut das Richtige.

 

Machbarkeitsstudien

Braucht mein Unternehmen den fernen Osten? So simpel wie diese Frage sollte auch die Antwort sein. Der Weg zur richtigen Antwort ist leider alles andere als einfach. Eine gute Machbarkeitsstudie liefert zumindest eine verlässliche Momentaufnahme der Zielmärkte. Während die Strategie über dem Tagesgeschäft steht, muss die Machbarkeitsstudie genau darauf Bezug nehmen. Unternehmensziele werden mit den Realitäten in den Zielmärkten vereinbart. Chancen und Risiken werden ebenso bewertet wie die anfallenden Kosten. Ein Zeitrahmen zur Umsetzung wird definiert.

Die Machbarkeitsstudie ist die Entscheidungsgrundlage für eine Geschäftsleitung zur weiteren Vorgehensweise in Fernost. Sie sollte daher unbedingt extern beauftragt werden.

Projektabwicklung

Früher waren es meistens die in Asien alt eingesessenen Handelshäuser, denen die wichtige Vermittlerrolle zwischen den deutschen Lieferanten und ihren asiatischen Kunden zufiel. Aber die Zeiten haben sich geändert, die Handelshäuser haben diese schmerzliche Erfahrung machen müssen und ihre Geschäftsmodelle gründlich überarbeitet, um im Internet-Zeitalter  überleben zu können. Die meisten Asiaten haben sich im globalen Handel emanzipiert und kaufen heute lieber direkt in Europa oder sonst wo ein. Das interkulturelle Know-how und die Infrastruktur vor Ort aber, vormals von den deutschen Lieferanten über Provisionszahlungen an die Handelshäuser extern eingekauft, ist dabei auf der Strecke geblieben.

Vielen deutschen Unternehmen fehlt sowohl die Infrastruktur als auch geschultes Personal zur Abwicklung von Aufträgen und Projekten mit Kunden aus Fernost. Genau das aber muss im direkten Kontakt mit den asiatischen Kunden vorgehalten werden, um langfristig in diesen Märkten erfolgreich sein zu können.

Präsenz in Asien

Wenn der Entscheidung eines deutschen Unternehmens zugunsten einer dauerhaften Präsenz in Fernost erste Geschäftserfolge in der Region vorausgehen, ist dies der angenehme Weg nach Osten. Wichtige Entscheidungen müssen richtig getroffen werden, die Risiken sind aber überschaubar. Welches Land, welcher Standort ist am besten geeignet? Welche Geschäftsform ist zu bevorzugen? Wann ist es vorteilhaft, das Risiko mit einem verlässlichen Joint Venture Partner zu teilen?

Problematisch hingegen ist der Aufbau von Produktionsstandorten in Fernost. Zumindest im Mittelstand wird die Entscheidung für eine Produktion in Ostasien oft aufgrund äußerer Faktoren getroffen, ist also nicht ganz freiwillig. Großkunden mit ihren Standorten in allen internationalen Märkten verlangen dieselbe Präsenz von ihren meist viel kleineren Lieferanten. Für diese ist das Markteintrittsrisiko ungleich höher. Die Belegschaften stehen dem Schritt in Richtung Produktion in Fernost meistens sehr skeptisch gegenüber, von Betriebsräten und Gewerkschaften ganz zu schweigen. Schnell kann es zur Zerreißprobe im eigenen Unternehmen kommen. Und über die Umsetzung der firmeninternen Qualitäts- und Lieferstandards eines neuen Standortes in Fernost, Kommunikation, Plagiatismus und tatsächliche Kosten wurde noch gar nicht gesprochen.

Management in Asien

Schicken Sie niemals die zweite Garde nach Asien! Das ist der einzige allgemeingültige Grundsatz für westliche Firmen und deren Aktivitäten zwischen Tokyo und Jakarta. Ganz leicht zu befolgen ist er offenbar nicht. Um Probleme erst gar nicht entstehen zu lassen, sollten geeignete Mitarbeiter bereits idendifiziert sein, bevor man den Schritt nach Fernost wagt.

Asien ist sehr divers. Turbo-Kapitalismus in Singapur und Stalinismus in Nordkorea, Buddhismus in Thailand und Atheismus in China. Alle denkbaren Staatsformen und Religionen ist in Fernost präsent. Der Nationalismus in den einzelnen Ländern ist wesentlich ausgeprägter als in Europa. Entsprechend unterschiedlich sind die Herausforderungen, denen sich westliche Firmen und deren Mitarbeiter vor Ort stellen müssen. Die einzige Konstante ist die des Andersseins im Vergleich zur abendländischen Kultur. Die Vermittlung zwischen den Kunden und dem eigenen Unternehmen daheim in Deutschland ist daher eine zentrale Herausforderung für westliche Manager in Asien. Das geht nur dann, wenn man über ausreichende interkulturelle Kompetenz, die nötigen Fremdsprachenkenntnisse und entsprechendes Kommunikationstalent verfügt. Ach ja, die fachliche Qualifikation sollte natürlich auch vorhanden sein.